Die Apokalypse

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Am Ende der Bibel steht die Apokalypse mit einer Schilderung der Zerstörung der Welt. In der Endzeiterwartung vor 1500 berührte diese Schrift die Menschen. Schon vor Dürer hatten Künstler die Apokalypse illustriert, aber nie mit dieser Wucht, die Dürer in seine Holzschnitte legte.

 

  • Johannes vor der Mutter Gottes

    Dieses Blatt wurde von Dürer 13 Jahre nach den anderen Bildern angefertigt und dem Werk hinzugefügt. Es stellt Maria als „Sonnenweib“ über der Mondsichel dar: „Mit der Sonne bekleidet“ (Strahlen) und mit Sternen bekrönt.

     

  • Das Martyrium des heiligen Johannes

    Nach der Heiligenlegende wurde Johannes unter Kaiser Domitian in einem Ölkessel gesotten. Doch Johannes überlebte, entstieg dem Kessel verjüngt und wurde auf die Insel Patmos verbannt, wo er die Apokalypse schrieb.

     

  • Johannes erblickt die sieben Leuchter

    Die 7 Leuchter symbolisieren 7 christliche Gemeinden, an die der Apostel Sendschreiben richten soll. Zwischen den Wolken erscheint der „Menschensohn“ mit flammenden Augen und einem Schwert, das „aus seinem Mund ging“.

     

  • Johannes vor Gott und den Ältesten

    Durch die geöffnete Himmelspforte sieht Johannes Gott, umgeben von 24 Ältesten und den 4 Evangelistensymbolen (Adler, Stier, Löwe, Mensch). Vor ihm ein Lamm mit 7 Hörnern (Christus) und in seinem Schoß das Buch mit 7 Siegeln.

     

  • Die vier apokalyptischen Reiter

    Im Text der Apokalypse erscheinen die 4 Reiter zeitlich nacheinander. Auf Dürers Bild preschen sie als Quadriga zwischen brodelnden Wolken hervor, hinweg über zu Boden geworfene Menschen, für die sich links der Höllenschlund öffnet.

     

  • Der Sternenfall (auch: Die Eröffnung des sechsten Siegels)

    Geistliche und weltliche Würdenträger suchen in Felsspalten Schutz vor den fallenden Sternen. Die Szene im Himmel zeigt die Geschehnisse beim Öffnen des 5. Siegels: Weiße Kleider werden an die auferstehenden Märtyrer verteilt.

     

  • Die vier Windengel und die Versiegelung der Auserwählten

    Engel gebieten den 4 Winden Einhalt, bis 144000 Auserwählte mit einem Siegel auf der Stirn versehen sind, das sie vor den kommenden Zerstörungen schützt (wie die Früchte am Baum, die von den Winden nicht abgerissen werden).

     

  • Die sieben Posaunenengel

    Zum Posaunengeschmetter geht die Verwüstung der Erde vor sich: Ein Adler schreit ein dreifaches Wehe, ein Stern fällt in einen Brunnen und verdirbt das Wasser, ein Berg stürzt ins Meer, Hagel, Feuer und Heuschrecken gehen nieder.

     

  • Die vier Euphratengel

    Beim Schall der 6. Posaune werden 4 Engel, die „an den Strom Euphrat gebunden waren“, gelöst und töten ein Drittel der Menschheit. Aus den Wolken brechen Reiter auf Rossen mit feuerspeienden Löwenköpfen hervor: die nächste Plage.

     

  • Johannes verschlingt das Buch

    Der Engel, der Johannes ein Buch zum Verschlingen reicht, ist „mit einer Wolke bekleidet“. Seine Beine aus brennenden Säulen setzt er auf Erde und Meer. Die rechte Hand erhebt er zum Schwur (vor dem Altar), dass nun die Zeit endet.

     

  • Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache

    Die Vision des schwangeren Sonnenweibs auf der Mondsichel: „Mit der Sonne bekleidet“ und mit 12 Sternen bekrönt. Ihr Kind wird zu Gott entrückt, bevor der Drache, dessen Schwanz Sterne vom Himmel holt, es fressen kann.

     

  • Michaels Kampf mit dem Drachen

    Erzengel Michael und andere Engel kämpfen mit dem Drachen (hier als Teufel zu Füßen Michaels dargestellt) und werfen ihn samt seiner Höllenbrut – als abtrünnig gewordene Engel – aus dem Himmel auf die Erde.

     

  • Das Tier aus dem Meer und das Tier mit den Lammshörnern

    Ein Tier mit 7 Köpfen, dessen einer verwundet ist, steigt aus dem Meer, ein anderes mit Widderhörnern, das Feuer (hier wohl Blut) regnen lassen kann, aus der Erde. Die Sichel in Gottes Hand ist ein Zeichen für das nahe Weltende (Zeit zur Ernte).

     

  • Der Lobgesang der Auserwählten

    Die 4 Evangelistensymbole und die 24 Ältesten umgeben das siegreiche Lamm. Johannes kniet auf einem Berg. Er ragt über das Wolkenband, das Erde und Himmel trennt, und ist in der Schar der Auserwählten ein 2. Mal zu sehen.

     

  • Die babylonische Hure

    Über der Hure, die auf dem Drachen sitzt, geht Babylon in Flammen auf. Symbolisch für den Fall der Stadt schickt ein Engel sich an, einen Mühlstein ins Meer zu schleudern. Oben links der Ritter „Treu und Wahrhaftig“ und sein Heer.

     

  • Der Engel mit dem Schlüssel zum Abgrund

    Der Engel verschließt den Teufel für 1000 Jahre im Abgrund. Im Hintergrund wird Johannes von einem anderen Engel auf einen Berg geführt und sieht das „himmlische“ Jerusalem (von Dürer als sehr profane Stadt dargestellt).

     



Dürer fügte seiner Apokalypse viele Jahre später ein Titelblatt (1) hinzu, dessen süßliche
Darstellung wenig zu den übrigen Szenen passt. Der eigentliche Auftakt zur Holzschnittfolge ist das Vorsatzblatt (2).

 

Das Vorsatzblatt

Statt kosmischer Katastrophen schildert es die Boshaftigkeit biederer Menschen auf dem Marktplatz eines deutschen Städtchens, denn Dürer zeichnet das Martyrium des Johannes so, als ob es nicht in Rom geschieht, sondern in Nürnberg. Gelangweilt sehen die braven Bürger zu, wie der Apostel gefoltert wird. Die schockierende Szene löst keine emotionale Reaktion bei den Zuschauern aus.

 

Dabei spielt sich vor ihren Augen ein erschreckendes Beispiel menschlicher Grausamkeit ab. Emsig sind die Schergen bemüht, das Feuer unter dem Topf anzufachen, und den Apostel wie einen Braten mit Öl zu übergießen.

 

Ganz unhistorisch für einen römischen Kaiser, trägt Domitian einen Turban – Ausdruck für Dürers Angst vor den Osmanen, die Europa bedrohten. Grimmig knurrt des Kaisers verwahrlostes Schoßhündchen uns an. Man kann schwer glauben, dass in dieser Stadt auch nur zehn Gerechte leben, die es wert sind, die nun kommenden Verwüstungen zu überleben.