Die Apokalypse

Die vier Apokalyptischen Reiter

 

Mit den Apokalyptischen Reitern schafft der junge Dürer das vielleicht aufwühlendste Bild seines Werkes überhaupt. Dabei ist die Technik grob, die Anatomie ungeholfen, der Raum nicht erfasst. Doch alle diese Einwände werden zermalmt von dieser Zerstörungsvision, die aus tieferen Quellen stammt als dem künstlerischen Studium der Natur.

 

 

„Die vier Apokalyptischen Reiter”, Holzschnitt (um 1497/98)

 

HOCHAUFGELÖST

 

Drei der Reiter symbolisieren Krieg (Schwert), Hungersnot (Waage) und Tod (Leichnam). Der erste mit dem Bogen ist nach dem Bibeltext vermutlich eine positive Figur (Christus?). Er reitet ein weißes Pferd und ihm wird eine Krone gegeben.

 

Im Text der Bibel treten die Reiter nacheinander auf. Albrecht Dürer lässt sie zusammen als Geschwader der Vernichtung zwischen brodelndem Gewölk hervorbrausen. Die ersten beiden Reiter ganz rechts sind visuell nur eine Hintergrundfläche für den dramatisch in Szene gesetzten dritten. Damit öffnet Dürer – vielleicht ungewollt – negative Interpretationsmöglichkeiten des ersten Reiters, z. B. als Pest. Siehe hierzu die Apokalyptischen Reiter bei anderen Künstlern.

 

Der 3. Reiter mit der Waage scheint – abweichend vom Text der Apokalypse – blind zu sein. Hierüber haben Kunstgeschichtler viel spekuliert. In Wahrheit aber schaut er nach vorn. Siehe dazu den Essay Das Auge des 3. Reiters.

 

Dürer gibt der Bewegung der Apokalyptischen Reiter keinen Raum. Das erste Pferd stößt an den rechten Rand, das letzte wird vom linken Rand beschnitten. Es gibt kein Woher und kein Wohin. Mit ungeheurer Wucht drängen die Reiter – den Rahmen fast sprengend – vorwärts.

 

„Johannes erblickt die sieben Leuchter”, Holzschnitt (um 1497/98)

 

GROSSES BILD
HOCHAUFGELÖST

„Der Sternenfall”,
Holzschnitt (um 1497/98)

 

GROSSES BILD
HOCHAUFGELÖST

 

Die Erscheinung hinter den 7 Leuchtern scheint Gott zu sein, ist aber nach dem Bibeltext Christus. Dürer hält sich an die Beschreibung des Menschensohns in der Apokalypse („… sein Haar war weiß, wie weiße Wolle …”).

 

Ebenso wörtlich nimmt Dürer die feuerflammenden Augen und den Passus, dass ihm ein Schwert aus dem „Mund ging”. Machtvoll patriarchalisch präsentiert sich der Menschensohn und eröffnet den Bilderzyklus mit einem optischen Paukenschlag.

 

Im Sternenfall ist die Welt wie eine Sanduhr aufgebaut. Eine symbolische, ganz unräumliche Darstellung. Aus der Verengung zwischen Himmel und Erde prasseln die Sterne auf eine zu Boden gedrückte Menschheit herab.