Die drei Meisterstiche

Ritter, Tod und Teufel

 

Dürer nannte das Bild nur „den Reuter”. Doch dass hier mehr zu sehen ist als ein Reiterbild, lehrt uns der Seitenblick des Totenkopfs. Surreal gespensterhaft ragen die beiden Gesellen Tod und Teufel hinter dem Ritter und seinem in der Bewegung erstarrten Hund auf. Sie geben der unwirklichen Szene die Atmosphäre eines Traums, in dem die Zeit stehen geblieben ist.

 

 

„Ritter, Tod und Teufel”, Kupferstich (1513)

 

HOCHAUFGELÖST

 

Der Kunsthistoriker Wölfflin sah diesen Kupferstich vor allem als Proportionsstudie eines Pferdes an. Der fahle König Tod auf dem müden Klepper und der schweinsköpfige Teufel erschienen ihm wie „angeflickt”, das Ganze wie ein „Kompromiss”.

 

Aber erst umgekehrt wird ein Schuh daraus: Ohne Tod und Teufel wäre dieses Bild ein gleichgültiges Blatt. Der Ritter, Tod und Teufel steht für die Wiederkehr des Mittelalters in Dürers Werk (nach seiner Beschäftigung mit der Renaissance). Dargestellt ist ein mit dem Glauben gewappneter Mensch, der unbeeindruckt von Tod und Teufel den Weg des Lebens dahinzieht. Über andere Interpretationsmöglichkeiten siehe: Raubritter

 

 

„Ritter, Tod und Teufel”, Detail

 

Dürer ist in diesem Bild ganz „zurück aus Italien”. Keine liebliche Landschaft breitet sich auf dem Stich aus, kein antiker Akt wird gegeben, keine anmutige Figur. In einem düsteren Hohlweg begegnen sich die Figuren. Der Hund ist in seiner Bewegung erstarrt, die Eidechse wie ausgetrocknet. Die Flora abgestorben.

 

Seltsam mutet es an, wie von der rechten unteren Ecke fächerförmig drei Figuren abgehen: Pferd, Hund und Teufel. Eine typische Dürer-Komposition: gekünstelt, aber genial. Das Bein des Teufels liegt so parallel zum Pferdebein, dass man meinen könnte, Dürer wäre das Pferd zu lang geraten und er hätte das bereits gestochene Bein verwendet, um daraus den Teufel zu machen.

 

„Steinbruch”, Zeichnung von Albrecht Dürer

 

GROSSES BILD

„Ritter zu Pferd” Vorzeichnung zum Stich (1512/13)

 

GROSSES BILD

Verkrüppelte Bäumchen recken in dieser felsigen Schlucht ihre blattlosen Äste. Überraschend ist, dass Dürer diese Landschaft nicht frei erfindet, sondern eine möglicherweise 15 Jahre ältere Aquarellskizze verwendet. Die Datierung 1510 und das Namenszeichen auf der Skizze sind von fremder Hand. Heute wird das Aquarell auf die Jahre 1495 bis 1498 datiert.

 

ritter-tod-und-teufel-korrektur-hufNatürlich ist der Kupferstich trotz der spätgotisch mittelalterlichen Kulisse auch die Proportionsstudie eines Pferdes nach italienischem Vorbild. Aus dem Kontrast zwischen konstruiertem Reiterstandbild und den improvisierten Spukgestalten zieht der Stich seinen Reiz. Dürer hat noch im letzten Moment an den Proportionen des Pferdes gefeilt und einen Hinterhuf etwas nach oben versetzt. Die Korrektur ist auf dem Stich zu erkennen, obwohl Dürer die alte Umrisslinie durch einen vereinzelten Grashalm kaschiert hat.

 

 

Der Totenkopf aus „Ritter, Tod und Teufel”

 

Die linke Ecke des Ritter, Tod und Teufel ist mit einem Totenkopf dekoriert. Mit dem Stichel spürt Dürer auch noch der kleinsten Form auf dem morschen Schädel nach, der im Original nur die Größe einer Zwei-Cent-Münze hat, und haucht dem Symbol des Todes Leben ein. Der Schädel zieht die Stirn kraus und blickt uns – durch einen geschickt gesetzten Schatten, der wie eine Pupille wirkt – aus den leeren Augenhöhlen eindringlich an. Memento mori.