Seine ZEITGENOSSEN

Albrecht Dürer hat auf seine Zeitgenossen gewirkt. Seine Holzschnitte und Kupferstiche wurden in den Malerwerkstätten als Vorlagen benutzt. Ganz sicher hat Dürer umgekehrt – obwohl er aus seiner Zeit herausragte – von den Künstlern seines Umfelds auch Anregungen erhalten.

 

Inwieweit die Künstler voneinander Notiz nahmen – in einer Welt, die Gemälde nicht fotografisch reproduzieren und verbreiten konnte – ist in vielen Fällen ungewiss. Spärlich geben schriftliche Zeugnisse oder gemeinschaftliche Arbeiten darüber Auskunft. Grünewald hat zu Dürers Heller-Altar vier Tafeln beigesteuert. Cranach wurde von Dürer bei einem Treffen der beiden Künstler portraitiert. Hans Baldung Grien arbeitete zeitweilig in Dürers Werkstatt.

 

 

Albrecht Dürer: Portrait Lukas Cranachs d. Ä. (1524), Silberstiftzeichnung

 

Von den Künstlern seines Umfelds hat sich Dürer am intensivsten mit der italienischen Renaissance beschäftigt. Zweimal reiste er nach Italien und in zahlreichen Studien bemühte er sich um die Errungenschaften der Renaissance. Sehr viel weniger erreichte von diesem neuen Geist des Südens die anderen Maler nördlich der Alpen. Das Fortleben der Gotik im 16. Jh., dem hier nachgespürt werden soll, lässt sich daher besonders bei den Zeitgenossen von Dürer beobachten.

 

 

Dürers Kunst als Vorbild für die Malerwerkstätten seiner Zeit.

Dürer wurde kopiert, nachgeahmt, verändert. Besonders sein druckgrafisches Werk inspirierte die Zeitgenossen zu eigenen Bildern. Wieweit das gehen konnte, zeigt dieser Vergleich: Links das Bild von Dürer, rechts die Umsetzung der Cranach-Werkstatt, eine künstlerisch freilich nicht sehr ambitionierte Arbeit. Cranachs Mitarbeiter übernahmen die Komposition, hielten sich aber enger an den Text der Apokalypse zu der Szene: „Und als ich ihn (die Erscheinung in den Wolken) sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter …”

 

 

„Johannes erblickt die 7 Leuchter”, Versionen von Albrecht Dürer (links) und Cranach (rechts)