Albrecht Altdorfer

Albrecht Altdorfer (um 1480 – 1538) schuf Bilder, auf denen Pflanzen die Hauptfiguren sind. Seine Landschaften sind so urwüchsig, wie man sich die Heimat Rübezahls vorstellt. Auch wo Altdorfer keine Flora malt, sind seine Bilder wie Gewächse: Pflanzengleich breiten sich die Linien aus, hangeln von Form zu Form, ranken sich umeinander, klettern und verschlingen sich.

 

 

„St. Georg kämpft mit dem Drachen im Wald“, Gemälde (1510)

 

Das Motiv des Drachenkampfes muss man auf dem kleinen Gemälde (ca. 28 cm hoch) suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Der Wald hat es umwuchert, die Laubmasse schäumt auf und quillt ungebremst in jede freie Fläche.

 

Altdorfer ist ein Maler der wilden Natur. Büsche und Bäume, Fels und Wald sind seine Motive. Er gilt als der Hauptvertreter der Donauschule, ein Kreis von Malern, die im Donaugebiet am Anfang des 16. Jh. tätig waren.

 

Der Begriff Schule ist jedoch irreführend. Diese Maler hatten sich nicht zu einer Gruppierung zusammengeschlossen, sondern wurden zu späterer Zeit aufgrund ihrer Stilähnlichkeiten unter dem Begriff Donauschule oder Donaustil gefasst. Das Stilmerkmal der Donauschule sind pflanzenartig wuchernde Formen.

 

 

„Der büßende heilige Hieronymus“, Gemälde (1507)

 

Auch dieses Bild ist von der Vegetation bestimmt. In moosigen Flechten hängt das Grün vom Baum herab. Der Pinselduktus des ganzen Bildes greift den Rhythmus der Flechten auf – auch im Hintergrundfelsen, auch im Bart des Heiligen, auch in der Mähne des Löwen. Mensch und Tier verschmelzen mit der Natur.

 

Dargestellt ist der heilige Hieronymus, den Dürer auf einem seiner drei Meisterstiche in der Studierstube zeigt. Der Legende nach lebte Hieronymus eine zeitlang in der Wildnis. Er schlug sich mit einem Stein an die Brust (hier zu sehen), um seine Begierden abzutöten.

 

Fast putzig sieht der Löwe aus, der stets an der Seite des Heiligen lebt, seit dieser ihm einen Dorn aus der Tatze zog. Für heutige Augen ist die Erscheinung des Löwen befremdlich. Man muss sich dabei klarmachen, dass die Maler damals keine Fotos als Vorlage hatten.

 

Vielleicht kannte Altdorfer Löwen nur aus Erzählungen oder von ebenso ungenauen Bildern. Oder er hatte flüchtig einen in einer Tierschau gesehen. Die Tafel lebt jedoch von der intimen, fast märchenhaften Atmosphäre, und diese wird durch den putzigen Löwen noch verstärkt.