Lukas Cranach der Ältere

Lukas Cranach d. Ä. (um 1475 – 1553) ist der „volkstümlichste“ deutsche Maler der Dürerzeit. In diesem Punkt ist er vielleicht entfernt mit Wilhelm Busch und Carl Spitzweg vergleichbar. Viele von Cranachs Bilder sind von einem feinen Humor geprägt. Cranach führte eine sehr produktive Malerwerkstatt, aus der schätzungsweise 5000 Gemälde hervorgegangen sind.

 

 

„Kreuzigung“, Gemälde (1503)

 

Cranachs frühe Gemälde zeigen einen ganz persönlichen Stil, der an Altdorfer erinnert. Das Gewölk hinter Christus brodelt, sein Lendentuch krümmt und ballt sich.

 

Ungewöhnlich und originell ist Cranachs Blickwinkel von der Seite, der es ihm erlaubt, die Kreuze der beiden Schächer ganz an den linken Bildrand zu rücken – ein Streifen aus gepeinigtem Fleisch.

 

Doch schon bald ändert sich Cranachs Stil grundlegend:

 

 

„Lucretia“, Gemälde (1533)

 

Eine Glätte und beflissene Kunstfertigkeit hat man Cranachs Spätstil – nicht ganz unberechtigt – vorgeworfen. Doch haben diese Bilder einen Reiz ganz eigentümlicher Art.

 

In seinen Akten gibt er den Figuren nur wenig Modellierung. Das eigentliche Thema des Renaissance-Akts (die Verteilung der Körperlast, das Spiel der Muskeln) interessiert ihn nicht. Cranachs Hauptaugenmerk liegt auf der gezierten und durch den dunklen Hintergrund betonten Umrissform, die der Figur eine dezente Erotik verleiht.

 

Die römische Sage über Lucretia, die sich nach einer Vergewaltigung umbringt, nimmt Cranach nur zum Vorwand für ein pikantes Bild: Einer Schauspielerin gleich, die sich vor Publikum in Pose bringt, richtet Lucretia den Dolch auf ihre Brust. Der Schleier, den sie vor ihre Scham zieht, könnte zum Verdecken nicht ungeeigneter sein.

 

Ganz ähnlich in der Komposition ist ein anderes Gemälde gehalten, Cranachs berühmte Venus, zu der er vermutlich Dürers Traum des Doktors als Musterblatt benutzt hat.

 

 

„Das ungleiche Paar“, Gemälde (um 1530)

 

Cranachs Gemälde haben oft einen schwer zu definierenden Witz: Cranachs Markenzeichen. Das Motiv des brünstigen Alten mit einer jungen Frau, die auf sein Geld aus ist war im 16. Jh. ein beliebtes Motiv (so wenig ändern sich die Zeiten).

 

Dieses Gemälde zeigt Cranachs unverwechselbaren Witz durch den listig katzenhaften Blick, mit dem die Frau den Betrachter als Mitwisser anblickt und doch – unerreichbar für eine moralische Belehrung – durch ihn hindurchblickt.