Albrecht Dürer

Zeitgeschehen

 

In Dürers Holzschnitten zur Apokalypse entladen sich die Zukunftsängste der Zeit. Die Pest wütete im Land und die Osmanen – von vielen als die „Zuchtrute Gottes“ angesehen – bedrohten Europa. Das Leben wurde als unsicher empfunden.

 

Wer heute mächtig oder wohlhabend war, musste sich vielleicht schon morgen um seine Existenz Sorgen machen. Diese Ungewissheit wird im beliebten Motiv des Glücksrades dargestellt:

 

 

„Das Glücksrad“, Holzschnitt aus dem Dürerumkreis

 

Die Pest

Im Herbst 1494 flüchtete Dürer vor der Pest nach Italien. Die Menschen der Dürerzeit lebten in Nachbarschaft mit dem Tod. Kaiser Maximilian soll in seinen letzten Lebensjahren für den Fall der Fälle immer einen Sarg mit sich geführt haben.

 

Immer wieder inspirierte die Pest die Künstler zu Totentänzen und anderen Darstellungen des Todes. Überall und zu jeder Zeit lauert in der Kunst jener Epoche der personifizierte Tod. Er hält den Menschen die Sanduhr als Symbol der verrinnenden Zeit entgegen, führt sie zum Tanz oder zerrt sie gewaltsam ins ausgehobene Grab.

 

Eine ständige Bedrohung: die Osmanen

Ganz unhistorisch sind auf vielen biblischen Szenen bei Dürer Männer mit Turbanen zu sehen. Ausdruck eines kalten und heißen Krieges zwischen dem Abendland und dem Osmanischen Reich. Seit die Osmanen 1453 Konstantinopel erobert hatten, waren sie zu einer ständigen Bedrohung für das Abendland geworden. Die Belagerung Wiens im Jahre 1529 durch die Türken erlebte Dürer nicht mehr.

 

Reformation und Glaubenskämpfe

Mit der Reformation 1517 begann in Deutschland ein Zeitalter der Glaubenskriege. Die jahrhundertealte Autorität der Kirche wurde radikal in Frage gestellt. Für die Protestanten war Rom ein Sündenbabel, der Papst der Antichrist. Umgekehrt sahen die Katholiken in Luther ein Werkzeug des Teufels, weil er die alte Ordnung zerstört hatte.

 

 

„Teufel spielt auf Luther Sackpfeife“, Holzschnitt von Eduart Schön, um 1530

 

Der Bauernkrieg

Eine Begleiterscheinung der Reformation war der Bauernkrieg, zu dem sich einzelne Aufstände der Bauern ab 1524 weiteten. Die Leitfigur der Bauern wurde der Prediger Thomas Müntzer, der die religiösen Reformen mit sozialen Veränderungen verbinden wollte. Im Mai 1525 erlitt das Herr der Bauern bei Frankenhausen eine vernichtende Niederlage. Müntzer wurde gefangen genommen, gefoltert und enthauptet.

 

In einer weiteren Schlacht starben vor Würzburg im Juni 8000 Bauern. Die Würzburger Ratsherren, die sich auf die Seite der Bauern gestellt hatten, wurde gefangen genommen und gefoltert. Unter Ihnen befand sich auch der Bildhauer Tilman Riemenschneider. Er bekam nach seiner Freilassung nie wieder einen Auftrag.

 

Der Bildersturm

Die radikaleren Reformatoren nahmen das Bilderverbot der Bibel nun wörtlich. In Wittenberg kam es durch die aufstachelnden Predigten Karlstadts 1522 zum Bildersturm. Skulpturen und Altarmalereien wurden zerschlagen. Weitere Städte folgten dem Beispiel.

 

Als Folge des Bildersturms verloren die Künstler in manchen Regionen ihren bislang wichtigsten Auftraggeber: die Kirche. Damit ging die Blütezeit der altdeutschen Malerei, deren wichtigstes Sujet das Altarbild war, zu Ende.