Hans Baldung Grien

Hans Baldung Grien (der „Grüne“, 1484 – 1545) war Mitarbeiter in Dürers Werkstatt. Seine Figuren wirken oft etwas hölzern und unbeholfen – eine Eigenart, die fast allen Malern der Dürerzeit von der Gotik her noch in den Knochen steckte. Gestalterisch hinkt er Dürer hinterher, doch in seinen originellen Bildmotiven ist er dem Meister oft eine Nasenspitze voraus. Baldung ist der eigenwilligste Maler im Dürerumkreis.

 

 

„Die Sintflut“, Gemälde (1516)

 

Baldung überrascht mit seiner Darstellung der Sintflut, indem er die Bibel wörtlich nimmt: „Mache dir einen Kasten von Tannenholz …“, sagt Gott zu Noah. Einen solchen Kasten hat Noah auf den Bild gebaut, eine verzierte Truhe, in der man Sachen verwahrt, nur größer dimensioniert.

 

Wohl verschlossen ist die Kiste, gut sichtbar hat der Maler ein Vorhängeschloss angebracht. Man fragt sich, wie Noah dies von innen verschließen konnte? Doch die prominente Stelle des Schlosses ist berechtigt: Das Ein- und Ausgeschlossensein ist Baldungs Thema.

 

Schön geschmiedete Beschläge weisen auf die Abgeschlossenheit hin. Nicht den Schutz, den die Arche den Eingeschlossenen gewährt, zeigt der Maler, sondern die Verzweiflung der Ausgeschlossenen, die vergeblich an der Wand emporklettern.

 

 

„Herkules und Antäus“, Gemälde (1531), und „Adam und Eva“, Gemälde (um 1536)

 

Antäus ist ein Riese, der aus dem Erdboden Kraft saugt. Erst hochgehoben verliert er seine gewaltige Kraft und wird von Herkules erdrückt. Das Gemälde überrascht durch seine unausgewogene Komposition. Die Bildfläche ist wie ein Gefäß, das nicht bis zum Rand gefüllt ist: Oben ergibt sich eine dunkle leere Fläche.

 

Am Herkules wird Baldungs skurriler Humor sichtbar. Er stellt den Helden nicht heroisch dar, sondern malt einen Rabauken: stark, aber lächerlich.

 

Ungewöhnlich sinnlich gibt der Maler das Stammelterpaar der Menschheit, Adam und Eva, wieder. Mit einem verschmitzten Blick zum Betrachter greift Adam Eva an den Busen. Der Blick gibt uns zu verstehen, dass der Biss in den Apfel nicht die einzige Sünde ist, die im Dunkel dieses Paradiesgartens vor sich geht.