Hans Baldung Grien

Hexen

 

 

Keiner hat die Welt der Hexen so zu Papier gebracht wie Hans Baldung Grien: animalisch, wollüstig, wild und hässlich. Bilder, in denen der Unterleib ungefiltert spricht. Es scheint, als ob in Baldung ein Stück einer älteren Welt überlebt hat, eine magische Vorzeit, in der Zauberweiber ungehemmt und in wildem Taumel ihre barbarischen Bräuche ausübten.

 

 

„Neujahrsgruß mit drei Hexen“, Zeichnung (1514)

 

Nach der Aufschrift wird vermutet, dass Baldung einen Chorherren mit dieser Grußkarte bedachte. Welch seltsamer Neujahrsgruß! Drei Hexen nehmen in sportlicher Verrenkung eine Dreieckskomposition ein.

 

Baldung zeigt den Moment, in der die Figuren aus dem Dreiecksschema ausbrechen. Wie eine Schere öffnet sich die Komposition, die Körper weichen nach links und rechts aus und beginnen ein X zu bilden. Schelmisch spielt Baldung mit der voyeuristischen Neigung des Betrachters: Die Alte gibt den Blick auf die Scham frei, die Junge verdeckt ihre.

 

 

„Hexe, einen Drachen neckend“, Zeichnung (1515)

 

Flüchtig besehen, scheint der Drache zwei Zungen zu haben. Doch aus dem Geschlecht der Hexe kommt ein Strahl, dessen Stoff unbestimmt bleibt, durchläuft den Drachenleib, um aus dem Schwanzende, das die Hexe mit einem Pflanzenstiel stimuliert, herauszufahren.

 

 

„Hexensabbat“, zweifarbiger Holzschnitt (1510)

Der Hexensabbat in hoher Auflösung und nähere Bildbeschreibung

 

Hexen haben ihre Forken zu einem Dreieck zusammengelegt. Auf diesem magischen Feld steht ein Krug, aus dem ein Schwall Zaubertrank hochschießt, um am Rand zu verbrodeln.

 

Lange Formen zerschneiden wie Narben das Bild: der Schwall, gereckte Gliedmaßen, eine Baumruine. Im Zentrum das wutverzerrte Gesicht einer Vettel, oben der Hexenritt vor nachtschwarzem Himmel.

 

Animalisch wirkt das wüste Treiben, roh und barbarisch die Zeichnung, ideal für die derbe Holzschnitttechnik. Immer wieder hat die Walpurgisnacht die Künstler zur Darstellung gereizt, z. B. als knapp 300 Jahre später die Romantiker das Thema durch Goethes Faust neu entdeckten und in vielen Buchillustrationen gestaltet haben.

 

Aber Hans Baldung Grien schuf mit seinem Blatt – vielleicht die erste künstlerisch interessante Darstellung dieses Sujets – ein urwüchsiges Bild, das an markigem Hexentreiben kaum zu überbieten ist.