Hans Baldung Grien

Tod und Weib

 

 

Immer wieder beschäftigt sich Hans Baldung Grien mit dem Tod. Der Tod und das Mädchen, der Tod und die Frau. Als Verfolger, Liebhaber und Warner mit dem Stundenglas tritt der Tod auf Baldungs Bildern an die Frau heran. Als Kontrast zu ihrer blühenden Schönheit, aber wohl auch, weil die Frau das Leben gebiert.

 

 

„Der Tod und das Mädchen“, Gemälde (1517) und „Der Tod und das Weib“, Gemälde (um 1517)

 

Die beiden etwa gleich hohen Tafeln (nur ca. 30 cm) sind sicher als Gegenstücke konzipiert. Beide Bilder erinnern an Baldungs Gemälde des Stammelternpaares Adam und Eva. Vor dunklem Grund steht ein Paar eng zusammen. Links packt der Tod das Mädchen am Haar und weist die Händeringende ins Grab.

 

Rechts umfängt der Tod die reife Frau wie ein Liebhaber und drückt ihr mit sanfter Gewalt einen Kuss auf den Mund. Während links der durchsichtige Schleier mehr hervorhebt als verdeckt, gibt rechts ein weißes (Leichen-)Tuch gerade knapp den Blick auf die Scham frei.

 

Baldung lässt die Situation in der Schwebe: Will die Frau das Tuch vor ihren Körper raffen oder lässt sie es für ihren schrecklichen Liebhaber herabgleiten?

 

 

 

„Der Tod verfolgt ein Mädchen“, Gemälde

 

Eine weitere Variation des Themas: Hier hat Baldung das ungleiche Paar besonders verklammert. Den Mittelpunkt des Gemäldes bilden die ineinander verhakten Arme. Beide Figuren stehen mit ihrem rechter Fuß auf der selben Stelle. Das Tuch, das die Frau umwindet, führt in das Erdloch herab, aus dem der Tod kommt.

 

Während der Tod im Barock und später meist als Skelett dargestellt wurde, malt Baldung ihn als verwesenden Leichnam, wie im Mittelalter üblich. Beeindruckend die kreisrunden Augen, die dem Gesicht den Ausdruck einer Maske verleihen.

 

 

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„Die Lebensalter“, Gemälde (um 1540)

 

Das Gemälde Die Lebensalter ist ein bizarres Gegenbild zu einer gleichgroßen Tafel mit den drei Grazien. Die Frau links wird von der Greisin fortgezogen. Die Greisin wiederum wird vom Tod gepackt. So gehen die Generationen dahin.

 

Warum Baldung immer wieder die Frau mit dem Tod kombiniert, wird auf diesem Bild deutlich:

 

Der Tod hält eine zerbrochene Lanze, die zum Kind herunterführt. Zerbrochen, weil die Macht des Todes durch immer neues Leben – vom Weibe geboren – gebrochen ist.

 

Aber auch das Kind ist dem Tod verfallen: Berührt es doch seine Lanze und schläft: eine Vorschau auf den Tod.

 

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Ein sehr interessantes Detail ist auf der Gesamtansicht durch die Verkleinerung nicht zu erkennen. Hilfe naht! Auf dem Ausschnitt sieht man ein winziges Kruzifix aus der oberen rechten Ecke auf die Frauen zuschießen: Christus, der den Tod überwunden hat. Vom Künstler sehr originell ins Bild gesetzt.