Hieronymus Bosch

Die Versuchung des heiligen Antonius

 

Bei diesem Motiv tobten sich die Künstler aller Zeiten aus, wetteiferten in der Erfindung von bizarr gestalteten Teufeln und seltsamen Mischwesen. Ein Motiv also, wie für Bosch geschaffen? Ein „Heimspiel“ für den Erfinder grotesker Kreaturen? Doch wie immer hat Bosch mehr zu geben, als ein Kuriositätenkabinett von Höllenteufeln. Und wie immer bleibt seine Botschaft im Dunkeln.

 

 

„Die Versuchung des heiligen Antonius“, Mitteltafel des Triptychons

 

Immer wieder wurde die Versuchung des hl. Antonius in der Kunst dargestellt, wobei die Künstler nicht seine Versuchung durch den Teufel in Frauengestalt abbildeten, sondern seine Peinigung durch Dämonen, die in der Heiligenlegende geschildert wird.

 

Hieronymus Bosch überrascht, indem er dieses beliebte Motiv auf rätselvolle Weise abwandelt. Die Dämonen auf seinem Bild zeigen gar kein Interesse an dem Heiligen in der Bildmitte.

 

Links von ihm halten einige ein Ritual ab, zu dem eine Frau eine Kröte herbeischleppt, die ein Ei stemmt. Weder diese noch die anderen Gruppen nehmen von Antonius Notiz. Bosch scheint eine ganz eigene Geschichte erzählen zu wollen, die sich uns nicht erschließt.

 

Das Ganze findet vor einem ungewöhnlichen Hintergrund statt: Eine seltsame Turmruine ist durch einen Übergang mit einem zwiebelförmigen Gebilde verbunden, das wie eine solche verschiedene Schichten hat. Verblüffend sind die Details des Bildes: Am Himmel ist ein Luftkampf zwischen einem gepanzerten und einem vogelförmigen Schiff zu sehen.

 

 

„Der hl. Antonius wird von Dämonen in die Luft gehoben“, linker Seitenflügel des Triptychons, Detail

 

Auf dem linken Seitenflügel gibt uns der Maler wenigstens einen Anknüpfungspunkt an die Legende: Der Heilige wird von den Dämonen in die Luft gerissen. Diese Szene hatte schon Martin Schongauer reizvoll in Kupfer gestochen und Lukas Cranach hat sie in Holz geschnitten.

 

Doch kaum meint man sich auf vertrautem Terrain zu befinden, wird einem der Boden von Bosch auch gleich wieder unter den Füßen weggezogen. Andere Künstler beschränkten sich darauf, die Dämonen auf Antonius einknüppeln zu lassen. Bei Bosch greift ein grotesker Ritter den Heiligen mit einem Fisch an. Man darf eine nicht zu ergründende Symbolik in der Figur vermuten.

 

Und was soll man von dem eierförmigen Wesen halten, das Rauch furzend auf einer Sense vorbeifliegt – was von dem Boot in der Luft? Boschs Bilder bleiben so rätselhaft wie der Maler selbst, der völlig losgelöst von allen Traditionen und Konventionen zu schaffen wusste.