Matthias Grünewald

Isenheimer Altar

 

 

Matthias Grünewald hat außer dem Isenheimer Altar nur wenige Werke hinterlassen. Er taucht scheinbar aus dem Nichts auf, schafft diesen großen Altar, der ein eigenes Kapitel in der Kunstgeschichtsschreibung ausmacht, und verschwindet sang- und klanglos. Was er zu sagen hatte, hatte er auf diesen Tafeln herausgebrüllt.

 

 

Der Isenheimer Altar (entstanden zwischen 1506/12 und 1516), Rekonstruktion

 

Der Altar ist ein Schrein mit gemalten Flügeltüren – ein großes Buch aus Holz. Zugeklappt ist die Kreuzigung zu sehen. Geöffnet, zeigt sich die Festtagsseite mit Darstellungen der Verkündigung, der Maria mit dem Kind und der Auferstehung.

 

Der Altar hat Doppeltüren und lässt sich ein weiteres Mal öffnen. Nun ist der Blick auf den geschnitzten Schrein des Niklaus von Hagenau frei. Auf die Innenseiten hat Grünewald links die Einsiedler Antonius und Paulus gemalt, rechts die Versuchung des hl. Antonius.

 

Ein wildes Pandämonium stellt die Versuchung des hl. Antonius dar. Nicht die Versuchung wird gezeigt, bei der sich nach der Legende der Teufel in Gestalt eines betörenden Weibes dem Einsiedler nähert, sondern ein Überfall von Dämonen auf den Heiligen.

 

 

Versuchung des hl. Antonius, Flügel des Isenheimer Altars

 

Aus luftiger Höhe schaut ein kleiner Gott auf das böse Treiben herab. Ein schemenhafter kleiner Engel kämpft gegen die Teufelsbrut, die sich einer Hausruine bemächtigt hat. Die untere Hälfte des Bildes ist vollgestopft mit Ausgeburten der Hölle, die auf den frommen Einsiedler einschlagen.

 

Musikalisch ausgedrückt, ist die Kreuzigung in dunklem Moll gehalten, die Festtagsseite in strahlendem Dur, die Versuchung in schrillen Dissonanzen.

 

Nach der ernsten Einleitung dieses Bilderzyklus durch die Kreuzigung hat man die Versuchung stets nur als blankes Entsetzen vor dem Bösen interpretiert. Doch unbefangen betrachtet hat das Bild auch komische Elemente: der Troll mit der vorstehenden Mundpartie etwa (über dem Vogel) und das gehörnte, schielende Wesen (Bildmitte), das emsig am Gewand des Heiligen knabbert.

 

Die Abdeckung der Predella, ein Schrein im Sockel des Altars, hat Grünewald mit der Grablegung bemalt. Der geschundene Leib Christi ist ganz zusammengesunken. In der Grablegung verklingt die Anspannung des großen Kreuzigungsbildes.

 

 

Grablegung, Abdeckung der Predella des Isenheimer Altars